Skip to content

P4: Drittparteienrisiko

Rechtsgrundlage

  • DORA: Artikel 28–44 (Kapitel V)
  • RTS: 2024/1773 (Vertragsrichtlinie), 2025/532 (Subcontracting)
  • ITS: 2024/2956 (Informationsregister-Templates)
  • Delegierte Rechtsakte: 2024/1502 (CTPP-Einstufungskriterien), 2024/1505 (Überwachungsgebühren)
  • Leitlinie: JC/GL/2024/36 (ESA-Zusammenarbeit)

Höchste Priorität für BAUER GROUP

P4 ist der Pillar mit dem größten direkten Impact auf BAUER GROUP als IKT-Dienstleister. Finanzunternehmen dürfen nach Art. 28 Abs. 5 nur noch Verträge mit IKT-Dienstleistern abschließen, die angemessene Informationssicherheitsstandards einhalten. Fehlende DORA-Konformität = Vertragsverlust.

Zwei Ebenen des P4

Ebene 1: Allgemeine Prinzipien (Art. 28–30)

Gelten für alle IKT-Drittanbieter-Beziehungen.

Ebene 2: EU-Überwachungsrahmenwerk (Art. 31–44)

Gilt nur für CTPPs (Critical Third-Party Providers) – die 19 von den ESAs benannten kritischen IKT-Drittdienstleister (u.a. AWS, Google Cloud, Microsoft Azure).

Informationsregister (Art. 28 Abs. 3)

Jedes Finanzunternehmen muss ein vollständiges Register aller IKT-Drittanbieter-Verträge führen.

Pflichtinhalte (ITS 2024/2956)

FeldBeschreibung
UnternehmenskennungLEI oder EUID des Anbieters
DienstleistungsbeschreibungArt der IKT-Dienste, funktionale Zuordnung
KritikalitätKlassifizierung als kritisch/wichtig oder nicht
VertragslaufzeitBeginn, Ende, Kündigungsfristen
DatenstandorteLänder der Datenverarbeitung und -speicherung
SubcontractingUntervergaben, Kette der Unterauftragnehmer
Exit-StrategieDefinierter Ausstiegsplan
Audit-RechteVereinbarte Prüfrechte

Einreichung bei BaFin

  • Erstmalige Einreichung: 30.04.2025 (abgeschlossen)
  • Regelmäßige Aktualisierung: Mindestens jährlich + bei wesentlichen Änderungen
  • Format: Standardisierte Templates gemäß ITS 2024/2956

8 Mindestvertragsinhalte (Art. 30)

Verträge mit IKT-Drittanbietern müssen mindestens enthalten:

Nr.VertragsinhaltDetails
1DienstleistungsbeschreibungKlare funktionale und technische Beschreibung
2StandorteVerarbeitung und Speicherung, inkl. Subcontracting
3Verfügbarkeit & QualitätSLA mit messbaren KPIs
4Datenzugang & -rückgabeZugang, Rückgabe und Löschung bei Vertragsende
5Unterstützung bei VorfällenKooperationspflicht, Meldefristen
6Audit-RechteUneingeschränkte Zugangs-, Inspektions- und Auditrechte
7KündigungsrechteAußerordentliche Kündigung bei Compliance-Verstößen
8Exit-StrategieÜbergangsfristen, Datenmigration, Übergabeplan

Zusätzlich bei kritischen/wichtigen Funktionen

  • Vollständige Subcontracting-Kette offenlegen
  • Standortänderungen vorab genehmigen lassen
  • Business Impact Analysis des Ausfalls
  • Notfall- und Kontinuitätsplanung

RTS 2025/532 – Subcontracting

Seit Inkrafttreten am 22.07.2025 gelten verschärfte Anforderungen für die Untervergabe:

  • Due Diligence vor Beauftragung von Unterauftragnehmern
  • Risikobewertung der gesamten Subcontracting-Kette
  • Vertragliche Durchgriffsmöglichkeiten auf Unterauftragnehmer
  • Genehmigungs- und Änderungsprozesse definiert
  • Beendigungsverfahren mit Übergangsregelungen

CTPPs – EU-Überwachungsrahmenwerk (Art. 31–44)

Einstufungskriterien (EU 2024/1502)

Die ESAs stufen IKT-Drittdienstleister als kritisch ein basierend auf:

  • Systemische Bedeutung für den Finanzsektor
  • Substituierbarkeit der Dienste
  • Anzahl und Bedeutung der betreuten Finanzunternehmen
  • Abhängigkeitsgrad

Benannte CTPPs (Stand November 2025)

19 Technologieunternehmen wurden als CTPP eingestuft, darunter globale Cloud-Plattformen (AWS, Google Cloud, Microsoft Azure).

Pflichten der CTPPs

  • Direkte Aufsicht durch Lead Overseer (einer der ESAs)
  • Joint Examination Teams (JETs) für Vor-Ort-Inspektionen
  • Regelmäßige Berichtspflichten an den Lead Overseer
  • Überwachungsgebühren gemäß EU 2024/1505

BAUER GROUP als IKT-Dienstleister – Handlungsfelder

Vertragsanpassung (Priorität 1)

Bestehende und neue Verträge mit Finanzunternehmen müssen alle 8 Mindestvertragsinhalte abdecken:

markdown
## DORA-konforme Vertragsklauseln (Checklist)

- [ ] Vollständige Dienstleistungsbeschreibung mit funktionaler Zuordnung
- [ ] Verarbeitungsstandorte (inkl. Backup, DR-Sites)
- [ ] SLA mit messbaren KPIs (Verfügbarkeit, Response Time, MTTR)
- [ ] Datenzugang und -rückgabe bei Vertragsende (Format, Frist, Löschung)
- [ ] Incident-Kooperationsklausel (interne Meldefrist < 1h)
- [ ] Uneingeschränkte Audit-Rechte (vor Ort + remote, auch durch Aufsicht)
- [ ] Außerordentliches Kündigungsrecht bei Compliance-Verstößen
- [ ] Exit-Strategie mit Übergangsplan (min. 6 Monate)
- [ ] Subcontracting-Klausel (Genehmigungsvorbehalt, Transparenz)
- [ ] Standortänderungen nur mit Vorabgenehmigung

Informationsbereitstellung (Priorität 2)

BAUER GROUP muss den Kunden alle Informationen liefern, die diese für ihr Informationsregister benötigen:

  • LEI/EUID von BAUER GROUP
  • Vollständige Dienstleistungsklassifikation
  • Datenverarbeitungsstandorte
  • Subcontracting-Kette (falls vorhanden)
  • Zertifizierungsnachweise (ISO 27001, SOC 2 etc.)

DORA-Readiness-Nachweis (Priorität 3)

Proaktive Demonstration der DORA-Konformität gegenüber Kunden:

  • Standardisiertes Fact Sheet mit allen registerrelevanten Informationen
  • DORA Compliance Statement (jährlich aktualisiert)
  • Audit-Report oder Zertifizierung
  • Incident Response SLA gemäß DORA-Fristen

Dokumentation lizenziert unter CC BY-NC 4.0 · Code lizenziert unter MIT